Abbe Emile Warre, Bienenhaltung für alle, Buch - Hier finden Sie die deutsche Übersetzung von Abbé Émile Warrés Buch «L‘apiculture pour tous» – «Bienenhaltung für alle» sowie eine Bauanleitung zur Warré-Beute.
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Einfach Bienen halten mit Warré – Gedanken und Erfahrungen

Das Ziel der Warré-Imkerei ist es, auf eine Weise Bienen zu halten, die sowohl den Bienen als auch dem Imker das Leben so weit wie möglich erleichtert. Im Folgenden werde ich versuchen, Euch meine Erfahrungen mit der Warréimkerei nahe zu bringen. Für ein besseres Verständnis empfiehlt es sich, das Originalbuch zur Warréimkerei gelesen zu haben. Ich handhabe mittlerweile einiges anders, als es Warré emfiehlt, bedingt durch die Besonderheiten und Bedingungen der heutigen Zeit, aber auch, weil neuere Erkenntnisse es uns ermöglichen, noch effizienter sowie bienen- und imkerfreundlicher zu imkern. Man sollte aber zumindest wissen, was der Kerngedanke in der Warrébetriebsweise ist, und dafür ist »Bienenhaltung für alle« eine unverzichtbare Grundlage.

In eigener Sache

Ich halte die Warré-Bienenhaltung nicht für das Nonplusultra der Imkerei. Letztendlich kann man Bienen in jeder Kiste halten, je nach Wünschen und Möglichkeiten, aber auch je nach Vorliebe und persönlichem Charakter. Der eine möchte am liebsten an jedem schönen Sonnentag an seinen Bienen arbeiten, der andere möchte, wie ich, lieber diese Zeit im Liegestuhl vorm Bienenstand verbringen und seinen Bienen beim Arbeiten zusehen. Für letztere schreibe ich diesen Blog. Jeder, der gern Einfluß nimmt, an vielen Rädchen dreht und Befriedigung aus der Arbeit am Volk zieht, sollte sich für eine moderne Rähmchenbeute entscheiden. Er wird für seinen Einsatz mit viel Honig belohnt werden – versprochen. Und keine Sorge, die Bienen werden es Euch verzeihen, die sind größtenteils imkerresistent.

In diesem Zusammenhang liegt mir ein Rat besonders am Herzen: Hütet Euch vor dem Versprechen einer wesensgemäßen Imkerei. Die gibt es nicht. Auch die Warré-Bienenhaltung ist nicht „wesensgemäß“. Naturnah? Vielleicht. Aber sicher nicht wesensgemäß. Das Wesen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) ist es, den langen Winter gemeinsam als Volk zu überdauern, und das nicht etwa in Kältestarre, wie die meisten anderen Insekten, sondern bei kuschligen 32° C in der Wintertraube. Zu diesem Zweck sammeln sie in den warmen Jahreszeiten jede Menge Nektar, den sie zu haltbarem Honig veredeln – als Heizmaterial für den Winter. Sie sammeln den Honig also keineswegs für uns, wie einige beliebte Kinderlieder suggerieren. Und sie geben ihn auch nicht freiwillig raus, nicht mal als Mietzahlung für die hölzernen Kästen, die wir ihnen als billigen Ersatz für ihre natürlichen Behausungen anbieten. Im Gegenteil, im Wesen der Biene liegt es, ihren mühsam gesammelten Honig unter Einsatz ihres Lebens gegen jeden Honigdieb zu verteidigen. Ein wesensgemäßes Dasein führen also nur Bienen, die hoch oben im lebendigen (!) hohlen Baum leben, dort ihr natürliches Wabenwerk bauen und Ihren Honig behalten können. Oder, um mit den Worten der Philosophin Hilal Sezgin zu sprechen „Artgerecht ist nur die Freiheit“. Jede Nutztierhaltung ist in gewissem Maße Ausbeutung und letztendlich kann es bei einer Imkerei im Sinne der Tierethik nur darum gehen, die Bienen so wenig wie möglich zu belasten. Das geht mehr oder weniger mit jeder Beute und jeder Betriebsweise. Zumal wir hier immer über Hobbyimkerei sprechen, die keinen wirtschaftlichen Zwängen unterworfen ist.

Mein Warré-Anfang

Plötzlich war er da, der Wunsch Bienen zu halten, ausgelöst durch die Lektüre des »Kleinen Hobbit« von J. R. R. Tolkien. Dessen Beschreibung des Bärenmenschen Beorn und seines Bienengartens brachte eine bis dahin stumme Seite in mir zum Schwingen. Vom Bienensterben war damals noch nicht viel zu hören, so dass ich mich im typisch zauberdurchdrungenen Anfang ganz meinen romantischen Vorstellungen hingeben konnte. Da die Rolle des Bärenmenschen aber nicht ganz meinen Selbstbild entsprach, malte ich mir mein künftiges Leben als Imker eher so aus, wie es dieses Gemälde eines Imkers von I. N. Kramskoj zeigt.

Was genau wollte ich? Bienen halten, ihnen im schönen Sonnenschein beim Fliegen und Bestäuben meiner Obstbäume zuschauen und ihnen hin und wieder ein Glas Honig stehlen, um mein Hobby vor meiner Familie zu legitimieren (ich selbst mag keinen Honig). Und nach nunmehr zehn Jahren Imkerpraxis kann ich sagen, dass ich dieses Ziel tatsächlich erreicht habe (bis auf den Bart, an dem arbeite ich noch). Bis dahin war es jedoch ein weiter und beschwerlicher Weg, denn die Imkerei hatte in den letzten hundert Jahren eine Entwicklung genommen, die kaum noch etwas mit einer naturnahen Bienenhaltung gemein hatte. Die gesamte Imkerpraxis schien einzig auf die Maximierung des Honigertrages ausgerichtet; Bücher, die ein „einfaches“ Imkern versprachen, verwirrten mich mit Anweisungen á la „BR 3 nach C7“ und in Imkerforen verbreitete man sich über all die kleinen Rädchen, an denen der erfolgreiche Bienenvater drehen kann (und sollte). Nun wollte ich aber kein Imkervater werden, sondern sozusagen eine Imkermutter, ihre Schützlinge behütend und sanft durchs Leben geleitend. Die herkömmliche Art, mit Bienen umzugehen, entsprach daher ganz und gar nicht meinen Vorstellungen. Hinzu kam, dass Imkerei vor allem eins zu bedeuten schien: Arbeit und Streß. Für mich (O-Ton: "Ein Imker geht mindestens einmal die Woche an seine Völker.") aber auch für die Bienen.

Fast hätte ich meinen Traum von Imkerei damals wieder aufgegeben, hätte es da nicht eine junge Bewegung gegeben, die sich einer bienen- und imkerfreundlicheren Bienenhaltung verschrieben hatte. Entstanden aus der Selbstversorgerbewegung, wo jedes Wirtschaften naturnah, nachhaltig und gleichzeitig effizient sein sollte, entwickelte, verwarf und verfeinerte man etliche Konzepte für einen freudlicheren Umgang von Mensch und Biene. Kernstück waren die sogenannten Oberträgerbeuten, die Top-Bar-Hive (TBH) und die Warrébeute. Der Grund, warum ich selbst mich letztlich für Warré entschieden habe, war ein rein ästhetischer – ich fand die Warrébeute einfach hübscher. Nichts desto trotz habe ich mir schon lang einmal vorgenommen, mir auch eine TBH an den Stand zu holen, da ich die Betriebsweise (in der Theorie) sehr überzeugend finde.

Über die Jahre habe ich viele verschiedene Beutensysteme ausprobiert, darunter Klotzbeuten und moderne Rähmchenmagazine. Meine Begeisterung für Warré ist jedoch ungebrochen, getreu Warrés Motto: "Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit".

Die Geschwister Warré und ihr Hund

Eloi François Émile Warré wurde am 9. März 1867 in Grébault-Mesnil im Departement Somme in Frankreich geboren. Er erhielt 1891 die Priesterweihe und wurde nacheinander Pfarrer von Mérélessart und von Martainneville. 1916 gab er aufgrund seines imkerlichen Erfolges seine Ordination auf, um nach Saint-Symphorien zurückzukehren und sich allein der Bienenhaltung zu widmen.

Dort entwickelte er auf Grundlage seiner Versuche mit 350 (!) Beuten verschiedener damals bestehender Systeme (u. a. der Dadant-Beute) sein Meisterstück, die Ruche Populaire, zu deutsch „Volksbeute“.  Hieraus erwuchs sich ein florierender Handel mit entsprechendem Imkerzubehör. Warré schrieb zudem mehrere Bücher zur Naturheilkunde. Sein Hauptwerk aber war das Handbuch zur Betriebsweise der Volksbeute »L’apiculture pour tous« (Bienenhaltung für alle), das in sage und schreibe 12 Auflagen erschienen ist. Die beiden Säulen der Warréimkerei, die Wirtschaftlichkeit und die Bienenfreundlichkeit, erklären sich aus diesem Zusammentreffen von naturkundlich interessiertem Geistlichen und Geschäftsmann in einer Person.

Doch wenn wir hier nur von den Leistungen des Abbé Warré sprechen, ist das nicht ganz richtig, denn die französische Redewendung „Cherchez la femme“ gilt auch im positiven Sinn. In Deutschland sagen wir: „Hinter jedem erfolgreichen Mann, steht eine starke Frau“. In Warrés Fall war dies seine 9 Jahre jüngere Schwester Maria Josephe Olympe Boucher, die auf nachfolgendem Foto zusammen mit ihrem Bruder bei der gemeinsamen Arbeit an den Beuten zu sehen ist und die später Warrés Erbe antrat. Zwischen den beiden liegt übrigens ihr „treuer Hund Toto“, den Warré in seinem Buch als Beweis für die Friedlichkeit seiner Bienen bei imkerlichen Operationen ins Feld fügt. Unter uns, mich würde es enorm stören, wenn mir beim Imkern ein Hund vor den Füßen herumliegen würde, weshalb dieses Foto vielleicht auch als Beweis für die Friedlichkeit von Warrés Schwester gewertet werden kann.

Émile Warré starb 1951 im Alter von 84 Jahren. Seine Schwester überlebte ihn um 5 Jahre.

Wirtschaftlichkeit

Abbé Warré war also nicht nur ein Freund der Bienen, sondern auch ein erfolgreicher Geschäftsmann und kühler Rechner. „Keine Rähmchen, keine Mittelwände, wenig Arbeit“ – dies ist das Firmenmotto, mit dem er seine Volksbeute bewarb und es fasst die Grundlagen der Warréimkerei gut zusammen, insbesondere wenn man sich bewußt ist, dass mit „wenig Arbeit“ auch die der Bienen gemeint ist. Durch die Besonderheiten in der Betriebsweise, dem Erhalt der Stockwärme als oberstem Ziel und dem Verzicht auf den künstlich erzeugten Sammeldruck, den das üblicherweise praktizierte Aufsetzen von leeren Honigzargen zur Folge hat, erspart man den Bienen einen Großteil an Arbeit zum Heizen und Sammeln, was ihrer Gesundheit zugute kommt. Kein Burnout bei Warré-Bienen. Der hieraus resultierende geringere Honigertrag wird durch die Möglichkeit ausgeglichen, mehr Völker halten zu können, da sich auch der imkerliche Arbeitsaufwand in der Warréimkerei auf ein Minimum beschränkt. Die Quintessenz der erfolgreichen Warréimkerei ist also: „Wenig Arbeit, viele Völker.“ Und tatsächlich ergab ein 10 Jahres-Vergleich der Belgier J. M. Frèrès und J. C. Guillaume zwischen Langstroth und Warré 30% geringere Produktionskosten pro Kilogramm für den nach Warré produzierten Honig.

To be(e) continued ...